Mein Stern-Schal: Dicke Puno-Wolle auf dem Webrahmen
Im vergangenen Jahr habe ich mir einen Schal gewebt, einen ganz einfachen Schal aus der wunderbaren Puno-Wolle, die so schön weich ist. Der Schal war rot mit Pink und Orange und das ist einfach eine fantastische Kombination. Wie es so ist bei Webprojekten, bleiben aber auch immer Farben über. In diesem Fall war es orange und etwas pink und etwas rot. Was ich damit gemacht habe, siehst du hier in diesem Blogbeitrag.
Ein Webprojekt mit Resten bedeutet, dass man was nachkaufen muss, um dann hinterher wieder Reste zu haben. Es ist ein Teufelskreis, ich sag’s euch, aber trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne in Caris Webstube inspirieren.
Dieses Mal habe ich diese wunderbaren Wollknäule in Pink, Orange und Rot in meiner Wollschublade wiedergefunden und dachte: Wenn ich endlich solch ein Pinwheel-Muster machen möchte, benötige ich noch eine weitere Farbe. Eine Farbe, die sich abgrenzt, und was liegt da näher als Schwarz? Schwarz passt auch super in meine Garderobe und Rot passt zu einem roten Mantel und Pink passt zu einem pinkfarbenen Mantel und alle gehören sie mir! Also los!

Also habe ich bei Kari in der Webstube eine Kette gemacht. Diese Kette siehst du übrigens auf ihrer guten alten norwegischen Waage, um zu erfahren, was mich diese wunderbare Kette kosten wird. Es ist ein wirklich sehr leichtes Material, aber ich hatte mir vorgenommen, einen breiten und längeren Schal zu weben. So kommt dann doch eine ganze Menge zusammen. Gut für Kari.
Dies war wieder ein Experiment, würde ich sagen, denn das Muster, das ich weben wollte, ist ein Muster für einen acht-schäftigen Webstuhl. Bei Kari weben wir mit vier Schäften und damit kann man schon ziemlich viel tolles Zeug machen. Zu Hause habe ich einen Rigid-Heddle. Den hast du sicherlich hier schon im Blog vereinzelt gesehen, also im Grunde so einen etwas größeren Schulrahmen mit ganzen zwei Schäften.
Aber dann sind da plötzlich diese Videos von Menschen, die die Muster für Webstühle mit acht Schäften einfach mit dem Rigid-Heddle weben. Puh, da raucht erst ordentlich das Hirn und es fängt an, spannend zu werden. Hier kommt meine Experimentierfreude ins Spiel. Das ist etwa vergleichbar mit der Idee, dein Lastenfahrrad mit der Karosserie eines VW-Passat zu überbauen, um dann aber ebenso wie der Passat auf Touren zu kommen. Klar kannst du jedes Muster mit deinem kleinen Rigid-Heddle weben, aber du musst auch immer überlegen: Wie baust du dir die Schäfte? Das heißt, wie hebst du die Fäden an, ohne dass du immer zählen musst? Beim Schal habe ich jede einzelne Zeile ausgezählt. Das ging irgendwann schneller, aber es ist völlig verrückt, natürlich anders, als würdest du einfach nur einen Kamm anheben, der ein bestimmtes Webfach öffnet. Verrückt! Aber ich wollte es ausprobieren. Aber so lernst du natürlich, wie Muster funktionieren und wie Weben funktioniert.
Vielleicht trifft das Bild vom kleinen Schroeder, aus der Serie Peanuts, besser, der an seinem Spielzeugklavier in der Lage ist, große Symphonien von Beethoven auf dem Klavier nachzuspielen. Ich meine damit, dass du auf jeden Fall mit zwei Schäften einen Schal weben kannst. Das habe ich auch schon öfter gemacht und es wird sehr schick. Es hängt immer von deiner Kombination, Farben oder wie du diese beiden Schäfte nutzt. Wenn es denn nun acht sein müssen, dann tüftelst du dir das auch einfach aus.
Aber wenn du Lust hast, zu tüfteln, oder du schaust dich durch YouTube-Videos hindurch, um es dem Schroeder gleichzutun, dann gibt es unzählige YouTube-Videos. In diesen Videos weben einige mit diesen kleinen Webrahmen Muster, die sonst mit acht oder zwölf Schäften gewebt werden.
Das ist für mich auch eine besondere Form der Entspannung. Mich kannst du mit einem 1000-Teile-Puzzle jagen, aber ein solches Webprojekt macht mir keine Angst. Ganz im Gegenteil, ich finde das sehr entspannend.
Die Anleitung für dieses stammt aus diesem Video: Pinwheels on a Rigid Heddle Loom von Loops and Leather.
Der Plan im Notizbuch: 128 Fäden
Sicher kann man das strukturierter und sortierter aufschreiben, aber mir ging es darum, mir einen Überblick zu verschaffen:
- Welche Farben habe ich?
- Was habe ich für einen Rapport?
- Wie breit soll der Schal werden?
- Wie lang soll er werden?
- Wie viel Wolle brauche ich?
- Wie oft muss das Muster wiederholt werden?
- Welchen Kamm brauche ich?
Dazu habe ich mir diese kleine Notiz gemacht, und ich glaube, die ist auch nur für mich verständlich. Aber der Schal ist ja fertig, also scheint es ja zu funktionieren.

Die Kette zieht ein
Wenn die Kette erstellt ist, muss sie in den Webstuhl eingezogen werden oder in den Webrahmen. Das siehst du hier. Das geht grundsätzlich erst mal schneller, weil hier einfach nur ein Kamm ist und dadurch zwei Webfächer entstehen.
Jetzt geht es aber darum, im Grunde acht Fächer zu erstellen, das habe ich hier in dieser Form nicht gemacht. Ich habe das genau wie die Frau in dem Video einfach mal durchgezählt. Das würde dich vollkommen irre machen in einem Plaid, das 80 cm breit und 4 m lang ist. Aber hier ging das, und so habe ich immer gezählt.
Der Vorteil hier ist, dass es farblich gut abgeteilt ist, sodass auch das Zählen mit der Zeit leichter wird, weil du weißt, wie viele Fäden du von jeder Farbe hast. Das hilft dir enorm. Klingt jetzt vielleicht nicht so, aber probier es einfach aus.




Reihe für Reihe am Webrahmen
In diesem kleinen Video stelle ich dir einfach mal einen Rapport dar, so wie er Reihe für Reihe gewebt wird. Es sind hier acht Reihen, die zu weben sind, und das geht natürlich nicht in einer Minute. Das ist wirklich sehr turboschnell. Dann wäre der Schal ja irre schnell fertig und ich könnte womöglich in die Serienproduktion gehen, aber glaub mir gerne, das werde ich nicht tun.



Das fertige Muster: kleine Windräder
Das Tolle am Weben ist, dass mit der Zeit der Stoff entsteht, und das ist, glaube ich, das, was mich vollkommen begeistert. Besonders am Schluss, wenn man dann das ganze Webstück abrollt vom Webstuhl, dann sieht man, was man alles geschafft hat, und das macht mich schon richtig stolz. Kennst du das auch von deinen Hobbys? Wenn du etwas geschafft und es dann so nutzt, wie du es dir vorgestellt hast? Schreib es mir gerne in die Kommentare. Ich bin sehr gespannt.

Die Puno-Wolle kannst du direkt bei Kari in der Webstube bestellen. Sie ist unglaublich leicht, weich und richtig schön kuschelig, also die Wolle, nicht Kari, also, naja, vielleicht ist sie das auch, aber, also, wie sag’ ich das jetzt … PUNO!
Puno ist die richtige Wolle für richtig kalte Wintertage, wenn du nicht immer so einen dicken Bollerschal tragen möchtest, sondern einen feinen, leichten, super schönen, warmen Schal. Ja, nee, also der fühlt sich toll an!

