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Im Zug Teil 3: Expresskartenreservierung – Bitte für Platzkarteninhaber freigeben

Was, Teil 3? Hat die nichts zu tun?
Leute, ich schreibe, bis mir der Strom ausgeht oder ich den Kölner Dom sehe.
Mein Lieblingsthema: Die Expresskartenreservierung. Das ist das Größte. Fünf Minuten bevor der Zug abfährt reserviere ich am Automaten einen Platz. Ich mache das immer. Selbst wenn ich mal eine Zugreise von länger vorher plane und mir die Karte einige Tage vor der Abfahrt kaufe, dann verpasse ich am Abfahrtstag sowieso meinen Zug und muss den nächsten nehmen. Dazu brauche ich dann eine Expresskartenreservierung. Ohne Reservierung ist das einfach zu stressig. Das ist nicht schön.

Wenn ich entspannt bin, dann treffe ich auch entspannte Leute im Zug: „Oh, Entschuldigung, Sie sitzen auf meinem Platz!“ – „Ah, Express, na schade, ich dachte ich habe heute Glück. Gute Reise!“ Sprachs und überließ mir den Platz. Wie lieb.
Wenn ich müde oder genervt bin oder die, die auf dem Platz sitzt, genauso aussieht, wie die, die mir mal den Schwarm „ausgespannt“ hat, dann habe ich Spaß. Ich kann auch zickig. Das tut so gut. Hinterher bin ich dann immer entspannt.
„Guten Tag, Sie sitzen auf meinem Platz!“ sage ich sehr bestimmt und mit einem herablassenden Fürchteblick (Fuchs trifft Opfer-Gans). Sie versucht die Mädchennummer: „Was reserviert? Haben Sie keinen anderen Platz? Wo soll ich denn hin? Ich sitze doch schon so lange hier.“ – Ich denke: „Mit der Nummer kommste hier nicht weiter, Du Plinse! Schieb’ Deinen Hintern aus der Bank und zisch ab. Ist mir doch egal, wo Du Dich hinsetzt! Damals hat es Dich auch nicht gestört, als Du mit meinem Schwarm abgezogen bist, verstehste. Der Platz war auch schon besetzt. Von mir aus kannst Du auch aus dem Fenster springen!“ – Boh, das sitzt tief, das Gefühl. Kennt Ihr das? – Ich sage aber brav mit einem netten Lächeln: „Gute Frau ich habe diesen Platz reserviert und zwar nur diesen einen und ich habe dafür bezahlt. Gerade vor 10 Minuten am Automaten. Schade für Sie, dass sie jetzt aufstehen müssen. Keine Ahnung, wo noch ein Platz ist. Ich kann Ihnen aber gerne mit dem Koffer helfen. Dann geht das schneller.“ – Denke aber wieder: „Den Koffer würde ich Dir aber am liebsten auf den Kopf werfen, Du Schlampe!“ – Kennt Ihr das? Oh, kennt Ihr das? Manchmal hat man ja so Begenungen.
Schön sind auch so ältere Damen: „Junge Frau, nehmen Sie doch bitte den Platz am Fenster, da krabbeln Sie einfach über meine Beine drüber!“ Hier spreche ich immer meine Gedanken aus: „Nein, rutschen Sie doch bitte durch. Ich habe diesen Platz am Gang reserviert.“ – „Woher wissen Sie denn das?“ – „Gute Frau, ich reserviere immer am Gang, weil das bei meiner Figur einfach bequemer ist. Ich sitze dort komfortabler und jetzt möchte ich Sie bitten, einfach durchzurutschen.“ – Sorry, aber da darf man dann nicht locker lassen, sonst sitzt man da eingefercht am Fenster, während die vielleicht noch ihre stinkende Stulle auspackt. Und davon könnt Ihr mal ausgehen. Das ist die Generation, die immer noch stinkende Stullen dabei hat. Ich will aber entspannt reisen und da kenne ich keinen Spaß und keine Freunde. „Dann müssen se mich aba in Köln mal rauslassen. Da holt mich mein Sohn vonnen Zuch ab.“ – „Ja, Köln ist Endstation, da will ich auch hin. Das ist aber auch erst in drei Stunden. Machen Sie sich keine Sorgen. Wir kommen hier schon wieder rechtzeitig raus.“ – Endlich rutscht sie rein und die Schlange hinter mir kann sich jetzt auch auflösen.
Wenn ich jetzt bloß die Gedanken der Leute hinter mir lesen könnte, dann hätte ich Stoff für die nächsten 10 Postings.

Genug aus dem Zug!

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