Fashion

SanDi, Sonia und das Kopfsteinpflaster

Mit 40 kann man dann doch mal endlich auf die Kacke hauen, Ziele neu definieren und sich Wünsche erfüllen.

Fangen wir an mit: „Wünsche erfüllen“ –> Hab‘ ich gemacht. Nun gut, im „Mich-belohnen“ war ich ja schon immer ganz groß. 😉

Also Stiefel: Ein bisschen widersinnig, aber furchtbar schick ist in diesem Jahr die Stiefelmode. Da kann man fellbesetzte (Fake-Fur) Stiefel in der klassischen Optik von „Naturfreunde-Fußbekleidung“ erstehen, die beim genauen Hinsehen dann doch echte Damenstiefel sind. Herrlich! Wie die sich allerdings bei Glätte bewähren ist mir ein Rätsel und auch (fast) egal.

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Alle die mich kennen wissen, dass ich mich im Winter bei meterhohem Schnee gerne dafür entschuldige, diese Art von Stiefel, also Wanderstiefel oder Moonboots, in der City zu tragen. Bei Ausnahmeschneefall sei das erlaubt, aber schick ist es nicht. Das habe ich wohl von Mutti, die auch heute noch immer einen „vernünftigen“ Stiefel mit viel Absatz trägt. In den letzten Jahren habe ich das mehr bewundert, als umgesetzt. Es tut einfach weh, wenn der Absatz über 5cm hinaus geht und sich die 117 Kilo Gewicht auf den Zehen ablegen – oder schlimmer noch,auf den Ballen, aua! Ich muss dann immer an den Comic denken, wo die dicke Frau auf dem dürren Mann herumspringt, der von Todesangst geplagt auf dem Bett liegt. Oder an Miss Piggy, die Kermit verprügelt. Aua!

Jetzt habe ich beschlossen, wieder mehr „vernünftige“ Schuhe zu tragen. Gut, ich habe das mit meinen Zehen besprochen, sie haben zugestimmt, unter der Bedingung, dass ich die Weight-Watchers wieder aufsuche. Läuft ganz gut soweit.
Nachdem mir meine Zehen die Genehmigung für diesen Wunsch erteilt haben, habe ich sofort zugegriffen, aber so richtig. Die Stiefelette ESCALADE von Sonia by Sonia Rykiel, die sollte es sein. Ein High-Heel, Absatzhöhe 11 cm, das konnte nach der Zalando-Erläuterung aber gar nicht doll ins Gewicht fallen, denn immerhin gibt es eine Plateausohle von 3 cm. Bleiben 8 cm. Pfft, das kann doch jeder! Die deutsche Übersetzung für Escalade ist übrigens „das Klettern, das Hinaufsteigen“. Perfekt, dann sollte da mindestens eine Brockenwanderung drin sein.

…und dann waren sie da!

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Diese herrlichen Teile. Ich musste sie einfach behalten. Jetzt muss eine Trainingsstrategie her. Ich ziehe sie an, laufe vom Wohnzimmer in den Flur und zurück. Dann setze mich erleichtert auf das Sofa. Besser gesagt: ich falle auf das Sofa, weil der Abstand zwischen angewinkeltem Po und der Sitzfläche ein anderer, als der gewohnte Abstand ist. Wer kann denn das ahnen?
Es gilt die folgende Strategie: Die Stiefel werden bei vorhersehbaren Ausflügen eingelaufen. Kurzstrecke!

1. Versuch: Der Ehemann führt mich an meinem Geburtstag in ein Restaurant aus. Es ist gut zu Fuß erreichbar, erreicht aber von der Entfernung her das Limit, was zu Fuß mit diesen Schuhen möglich ist. Zudem ist es dunkel. Apropos. Bruce Darnell würde sagen: „Du gähst wie eine Pförrrd!“ Und damit liegt er verdammt richtig, der gute Bruce. Als Zustimmung wiehere ich, während ich neben dem Ehemann hertrippele, stolpere und eiere. Sollte ich stürzen, so würde mich kein Wort des Bedauerns erreichen. Männer werden nie verstehen, warum wir Frauen sowas Unsinniges tun. Ich bin plötzlich sogar einige Zentimeter größer, als der Ehemann. Er hat aber nur Hunger und treibt mich an. Zum Glück kann ich mich eine Weile entspannen, bis wir das Restaurant wieder verlassen.
Oh, ich fühle mich so schick.

2. Versuch: Wenn es mit dem Laufen schwer ist, dann nehme ich doch das Rad. Warum ist mir das nicht gleich eingefallen? Ich versuche aufs Rad zu steigen und bleibe mit dem Absatz am Radrahmen hängen, dabei lege ich mich fast in der Garage ab. Uff, gerade noch so abgefangen, den Sturz. Jetzt fehlt mir noch so ein Rentner, der die Garage betritt und mich dabei erwischt, wie ich mit meinen geilen Stiefeln aufs Rad will. Den Hinweis auf „richtige“ Schuhe könnte ich in diesem Moment nur unsachlich parieren. Nach 200 Metern auf dem Rad habe ich kurzzeitig den Wunsch, den Sattel höher zu drehen. Ich freue mich aber auf den Moment, an dem ich an der Ampel halten und wieder aufsteigen muss, denn das geht viel schneller. Ich komme ganz leicht mit den Füßen auf den Boden. Sonst muss ich immer wieder angestrengt auf den Sattel klettern.

Auf halber Strecke läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich muss wieder runter vom Fahrrad, also so richtig! Dann nämlich, wenn ich angekommen bin. Wie wird sich der Absatz verhalten, wenn ich das Bein so weiblich durch den Fahrradrahmen ziehen will? Die Alternative wäre, das Fahrrad gar nicht loszulassen und mit dem Fahrrad direkt in die Praxis zu meinem Termin zu fahren: „Du, sorry, ich komm‘ hier nicht mehr elegant raus, aus dem Fahrrad, das macht doch nichts, oder?“ Mist, ich bin aber auch manchmal unbeholfen.
Der Fahrradständer liegt direkt neben einem großen Durchsichtschaufenster einer Buchhandlung. Auf der anderen Seite stehen „Zuschauer“, die auf den Bus warten und für jede lustige Ablenkung dankbar sind. Ich weiß nicht genau, wie, aber mit einem lauten Ächzen ziehe ich den Absatz mit dem gesamten Bein aus dem Fahrrad. Ich denke kurz drüber nach und beschließe auf der Rückfahrt wie ein Kerl auf das Rad aufzusteigen. Klar, auf einem Herrenrad gibt es das Problem nicht. Da muss man anders auf- und absteigen. Oha, da ich weiblich sozialisiert bin, macht mich das ganz unruhig. Hoffentlich hole ich mir dabei keinen Krampf im Oberschenkel und falle hilflos um? Ich werde schon nervös. Das wäre genauso, als müsste ich plötzlich im Stehen pinkeln.
Wenige Augenblicke später stehe ich auf dem Kopfsteinpflaster und habe ganz andere Sorgen. Sagte ich schon, dass ich für betonierte Innenstädte mit lediglich virtuellem Kopfsteinpflaster bin? Nein, dann sage ich das jetzt. ICH HASSE KOPFSTEINPFLASTER! Ich hatte die Schuhe auf glattem Pflaster schon fast im Griff und jetzt das. Ich versichere mich bei meiner Freundin, ob es immer noch total bescheuert aussieht und als würde ich auf Eiern gehen. Sie sagt, dass alles gut sei und lobt mich für mein Durchhaltevermögen. Ah, Lob ist immer super.

Auf die Kacke hauen. Erledigt.
Wünsche erfüllen. Erledigt.
Dann fehlt jetzt noch das neue Ziele-Dingsbums. Na, dann.

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